Das Pferd in der bildenden Kunst – von der Volkskunst bis zur Moderne

Thuy Tien
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(VOVWORLD) - In der vietnamesischen Volkskunst und der angewandten Kunst erscheint das Pferd in schlichter, lebendiger Darstellung. Es steht für ein treues, dem Menschen nahestehendes Tier. In der modernen bildenden Kunst wird das Pferd zu einer kraftvollen Inspirationsquelle mit vielfältigen Ausdrucksformen und symbolischen Bedeutungen. 
Das Pferd in der bildenden Kunst – von der Volkskunst bis zur Moderne - ảnh 1Die Werke in der Ausstellung „Das Pferd in der bildenden Kunst“. (Foto: Thuy Tien/VOV)

Die Sonderausstellung „Das Pferd in der bildenden Kunst“, die derzeit im Vietnamesischen Museum für Bildende Künste in Hanoi stattfindet, präsentiert 60 Werke, die unterschiedliche Perspektiven auf das Motiv des Pferdes eröffnen. Besonders hervorzuheben sind Darstellungen des Heiligen Thanh Giong in Werken von Nguyen Tu Nghiem, Ngo Manh Lan und Tran Khanh Chuong, die eine harmonische Verbindung traditioneller Werte mit moderner Formensprache zeigen.

Im Alltagsleben der Hochlandbevölkerung ist das Pferd ein enger Wegbegleiter. Diese Nähe wurde eindrucksvoll in Werken von To Ngoc Van, Nguyen Van Ty und Bui Xuan Phai dargestellt. Während des Krieges wurde das Pferd, oft an der Seite von Kämpfern und insbesondere in Darstellungen neben Präsident Ho Chi Minh, in Werken von Duong Bich Lien, Nguyen Trong Kiem und Nguyen Thu zu einem Symbol von hoher humanistischer Bedeutung. Für viele Kunstliebhaber ist die Ausstellung eine seltene Gelegenheit, bedeutende Werke renommierter Meister zu sehen.

„Das Pferd ist eines der zwölf Tierkreiszeichen und seit sehr langer Zeit Teil der Volkskultur und des Alltagslebens. Meist verbindet man das Pferd mit Bergdörfern oder mit den Widerstandskriegen. Einige Künstler sind besonders berühmt für ihre Pferdedarstellungen. Durch diese Ausstellung kann ich viele seltene Werke aus der Sammlung des Museums sowie aus privaten Familienbeständen sehen.“

„Viele Künstler haben Werke zum Thema Pferd geschaffen, mit sehr unterschiedlichen Ausdrucksweisen und Materialien. Es gibt nicht nur Gemälde, sondern auch Lackarbeiten, Skulpturen und Keramik. Besonders beeindruckt hat mich ein Werk von Bui Xuan Phai, das ein kleines Mädchen zeigt, das auf einem Spielzeugpferd reitet – ein Bild voller Unschuld und Reinheit.“

Die ausgestellten Werke zeigen eine große Vielfalt an Gattungen und Materialien wie Lackmalerei, Ölmalerei, Seidenmalerei, Papierarbeiten, Holz, Terrakotta und Keramik. Sie stammen von mehreren Generationen vietnamesischer Volkskünstler und bildender Künstler – von der Epoche der Indochina-Kunst, über die Kunst der Widerstandszeit bis hin zur zeitgenössischen Kunst.

Das Pferd in der bildenden Kunst – von der Volkskunst bis zur Moderne - ảnh 2Maler Nguyen Thang Long und sein Werk „Mr. Ngo“. (Foto: Thuy Tien/VOV)

Eine besonders eindrucksvolle zeitgenössische Skulptur ist „Mr. Ngo“ von Nguyen Thang Long, die die visuelle Erzählung über die Neuerfindung des Pferdemotivs in der modernen Skulptur anschaulich macht.

„Es gibt hier zwei Elemente, die den Unterschied ausmachen. Erstens die Formgebung: Ich verbinde zeitgenössische Kunst mit Tierkreiszeichen, die für die ostasiatische Kultur stehen. Der Sakko hingegen ist ein Symbol des Westens – das war mein erster konzeptioneller Ansatz. Zweitens das Material: Die Oberfläche besteht aus aufgetragenen Tonrollen. Diese Technik ist sehr alt. Früher wurden die Spuren geglättet, ich habe sie bewusst beibehalten. Die Fingerabdrücke werden so zu Ornamenten und zu sichtbaren Spuren des gesamten Schaffensprozesses. Das erzeugt eine besondere Ästhetik.“

Neben dem Betrachten der Werke können Besucher an verschiedenen Mitmach-Aktivitäten teilnehmen, darunter das Drucken traditioneller Holzschnittbilder mit Pferdemotiven sowie das Zeichnen auf Do-Papier. Nguyen Thi Lan aus dem Wohnviertel Dong Da in Hanoi besucht auch die Ausstellung.

„Das ist wirklich sehr interessant. Diese Ausstellung ist anders als viele andere. Sie zeigt nicht nur ein Tierkreiszeichen, sondern das Pferd als Begleiter des Menschen, von der Volkskunst über die traditionelle und moderne Kunst bis hin zur Kriegszeit und zum Leben ethnischer Minderheiten. Besonders gefällt mir, dass ich selbst an der Erfahrung des Druckens traditioneller Pferdebilder teilnehmen konnte.“

Die Ausstellung ist bis zum 1. März 2026 im Vietnamesischen Museum für Bildende Künste geöffnet. Sie verspricht ein Kunsterlebnis voller traditioneller Werte und geistiger Bedeutung und spiegelt zugleich den Zeitgeist des Frühlingsfestes 2026 wider.

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